Urban photgraphy/street-photography: Erste Erfahrungen und Einsichten

Ich fotografiere jetzt seit einigen Wochen, Zeit also, erste Erfahrungen und Erkenntnisse aufzuschreiben:

Das Objektiv:

Allgemein wird für die streetphotography ja gerne ein 35mm-Objektiv (-Kleinbildäquivalent) als klassische Reportage-Brennweite genannt. Ich habe mir daher eines mit dieser Festbrennweite ausgehliehen und damit in der vergangenen Woche gearbeitet. Mein – vorläufiges – Fazit: Für mich (für Anfänger?) für den Einstieg harter Stoff. Ich werde zunächst schwerpunktmäßig auf 50mm- Kleinbildäquivalent setzen.

Die 35mm erzwingen, um groß an wildfremde Menschen heranzutreten, um sie ungefragt zu fotografieren, erfordert doch ein gerütteltes Maß an Chuzpe, die ich – zur Zeit jedenfalls – (noch) nicht aufbringe.

Außerdem bringt mir diese Brennweite zu schnell zu viel „leeren Raum“ auf das Bild. Damit meine ich Raum mit oder ohne Inhalten, der nichts zur Bildaussage beiträgt. Das hängt natürlich wieder mit fehlender Nähe zum Motiv zusammen. Aber die Versuchung ist da, schnell weite Motive (Platz, große Kreuzung) in ihrer Gesamtheit einfangen zu wollen, ohne dass das Bild hinterher wirklich etwas zeigt oder eine Geschichte erzählt. (Wir alle kennen den Klassiker der Bergpanoramen, die vor Ort so beeindruckend sind, auf den Bildern aber eine Enttäuschung, weil auf ihnen genau das nicht rüberkommt.) Diese Gefahr ist bei einem 50mm-Kleinbildäquivalent nach meinen ersten Erfahrungen, für mich jedenfalls, deutlich geringer.

Am anderen Ende der Skala ermöglicht mir ein lichtstarkes 90mm-Kleinbildäquivalent zwar vereinzelt starke Bilder, weil es umgekehrt einerseits eine starke Fokusierung auf das Hauptmotiv und selektive Darstellung geradezu erzwingt, andererseits etwas mehr Abstand und damit mehr Stressfreiheit, bzw. bei gleichem „Stresslevel“ mehr Bilder erlaubt. Allerdings reduziert es die Zahl der praktikablen ß oder gar formatfüllend darzustellen, doch eine extreme Nähe. Ich schätze für eine formatfüllende Personendarstellung (Brustbild) 1 bis max. 1,5 Meter. So dicht Aufnahmesituationen wegen des regelmäßig doch erheblichen Abstandes, den es erfordert, doch dramatisch. Auch stellt sich ein leichtes Unbehagen wegen des Gefühls des „Abschießens“ in Paparazzi-Manier ein. Dennoch würde ich es durchaus bereits jetzt als (gelegentliche) Option heranziehen, während ich mir für das 35mm-Kleinbildäquivalent noch etwas Zeit nehmen werde.

Fazit:

Vorerst werde ich daher auf das Objektiv mit 25mm Kleinbildäquivalent oder das Kit-Zoom-Objektiv zurückgreifen. Das erste begeistert durch die hohe Lichtstärke, letzteres hat während der Lernphase den Vorteil, dass ich, wenn es schnell gehen muss, bzw. ich aus anderen Gründen auf eine andere Brennweite angewiesen bin, schnell „umschalten“ kann. Außerdem kann ich so Erfahrungswerte sammeln, wie oft ich andere Brennweiten bzw. Blenden ich überhaupt benötige und welche das sind. Nachteil ist ganz klar die kleinere Anfangsblendenöffnung. Allerdings sollte das im bevorstehenden Sommer mit den längeren Tagen ein geringeres Problem sein, solange ich nicht in Innenräumen oder z. B. Unterführungen fotografiere.